Seit mehreren Jahren lädt der Heimatverein Bersenbrück Mitglieder und auch Gäste zu einer Tagesfahrt in die weitere Umgebung ein, um auch einmal über den Tellerrand der engeren Heimat zu schauen.
Was zunächst als Angebot im Jubiläumsjahr des Vereins gedacht war, hat sich inzwischen zu einer festen Einrichtung entwickelt. Dass diese Fahrt großen Anklang findet, bewies der wieder voll besetzte Bus, organisiert wurde die Fahrt von der Geschäftsführerin des Vereins, Beate Heuberger, und dem Vorsitzenden Franz Buitmann.
Schon der Auftakt der Fahrt, das traditionelle Frühstück, war ein besonderes Erlebnis. Eingekehrt wurde im Landhotel Gutsschänke Holsterfeld bei Salzbergen. Die Geschichte der Gutsschänke beginnt um die Wende des vorletzten Jahrhunderts. Um das Jahr 1900 führte die alte Poststraße nach Lingen noch über Salzbergen. In dieser Zeit plante der „Geheime Regierungsrath Dr. Bernahard Weddige“ das Gut Holsterfeld, das dann ab 1909 als „Geheimratsschänke“ betrieben wurde. Nach einer wechselvollen Geschichte des Fachwerkhauses begann ab 2003 ein neuer Abschnitt mit einer neuen Inhaberin. Inmitten schönster Natur in Salzbergen wurde das Klassische mit dem Modernen, das Ländliche mit dem Urbanen und das Regionale mit dem Internationalen verbunden.
Weiter führte die Fahrt in die Stadt Ahaus, in zwei Gruppen wurden unter Führung die Innenstadt und das barocke Schloss erkundet. Ahaus mit den Ortsteilen Alstätte, Ottenstein, Graes, Wessum und Wüllen gehört zum Kreis Borken im Regierungsbezirk Münster.
Eine Übersicht über die Stadt bietet ein bronzenes Modell mit dreidimensionaler Darstellung von Ahaus vor dem großen Stadtbrand von 1863. Auffallend ist die 1967 geschaffene überlebensgroße Bronze-Skulptur „Der Mahner“ auf dem Marktplatz, die Inschrift am Sockel ermahnt und erinnert an die nationalsozialistische Schreckensherrschaft im Dritten Reich.

Besucht wurde die Stadtkirche St. Mariä Himmelfahrt, das alte Kirchenschiff wurde 1965 abgebrochen, nur der alte Chor blieb erhalten, die Konzeption der neuen Kirche folgte dem Grundgedanken des 2. Vatikanischen Konzils.

Das prachtvolle barocke Schloss wurde von Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg 1689-1695 erbaut. Im 2. Weltkrieg wurde es bis auf die Grundmauern zerstört, aber nach den alten Plänen wieder aufgebaut. In den beiden Torhäusern befinden sich heute Museen.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Gasthaus Rappers in Nord-Velen im Westen des Münsterlandes führte die Fahrt weiter in die Stadt Gescher mit der Glocken- und Kunstguss-Manufaktur Petit & Gebr. Edelbrock.
Unter Führung wurde den Gästen hier in höchst anschaulicher und interessanter Weise der Guss von Glocken erläutert. Vorgestellt wurden die einzelnen Schritte bis zur Entstehung einer Glocke, die mit der Vorarbeit beginnt: Der Glockengießer errechnet nach Ton, Durchmesser und Gewicht die „Rippe“, das Profil der künftigen Glocke, er zeichnet sie auf ein Buchenbrett, das später als Schablone dienen wird. Es folgen die Schritte der Kern, die „falsche“ Glocke, der Mantel, die Gussvorbereitung, der Glockenguss selbst und das Geläute. Vor Ort konnten diese einzelnen Schritte gezeigt werden. Fertige Glocken in unterschiedlicher Größe gab es anschließend zu erwerben.

Abgeschlossen wurde die Tagesfahrt mit einer Kaffeetafel auf dem Hof Schulze Scholle bei Gescher, wo zudem ein Hofladen zum Stöbern einlud. Auch im nächsten Jahr plant der Heimatverein wieder eine Tagesfahrt.
Text und Fotos: Franz Buitmann
